120 Jahre Bergrettung Oberaudorf - Rückblick zum Festtag am 30.09.2017

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120 jahre bergrettung modenschau lotter alfonsIm Jahre 1897 wurde in Oberaudorf eine „Alpine Rettungsstelle des Deutsch-Österreichischen Alpenverein“ gegründet die im Laufe der Zeit zu Gebirgs-Unfall-Dienst, Alpenvereins-Bergwacht und schließlich Bergwacht des Bayerischen Roten Kreuzes wurde. Dies nahm die Bergwacht Oberaudorf nun zum Anlass ein Fest „120 Jahre Bergrettung in Oberaudorf“ auszurichten. Traditionell mit einer Festmesse wurde der Jubeltag begonnen. Pater Slawek vom Kloster Reisach zelebrierte den Gottesdienst und würdigte in seiner Ansprache das Wirken der Bergrettung zum Wohle der Allgemeinheit. Der Männergesangsverein Kiefersfelden unter Leitung von Sepp Pirchmoser sorgte für die musikalische Umrahmung. Dass die Bergretter guten Kontakt nach oben haben, zeigte das sonnige Wetter, sicher verantwortlich der Heilige Bernhard, Schutzpatron der Bergsteiger.

Bereitschaftsleiter Markus Anker konnte zum Fest eine Reihe von Ehrengästen, Vertreter der Kommunen Oberaudorf und Kiefersfelden, der Behörden, Hilfsorganisationen wie Nachbar-Bergwachten und -Feuerwehren, Rot-Kreuz-Gemeinschaften von Wasserwacht und Rettungsdienst und Bergsteigergruppe Oberaudorf, willkommen heißen. Dann gab er einen kurzen Ablauf des Rahmenprogrammes bekannt bevor er mit dem Vers des ehemaligen Oberaudorfer Bergwacht-Leiters Hans Randl, „Die Entstehung der Bergwacht“ schloss. Grußworte zum Jubiläum sprachen dann der Bürgermeister aus Oberaudorf Hubert Wildgruber, der neben einem Gemeindewappen für die Bergrettungswache auch eine finanzielle Unterstützung im Gepäck hatte sowie der Bürgermeister von Kiefersfelden Hajo Gruber.

120 jahre bergrettung technik team lotter alfonsDas Rahmenprogramm brachte naturgemäß die vielbeachtete Ankunft des Rettungshubschraubers „Heli 3“. Gleich dicht umringt am Landeplatz der Helikopter bevor eine Herz-Lungen-Wiederbelebung vorgeführt wurde. Gezeigt dann eine Luftrettung mit Bergesack, Einsatz-Ablauf und Vorführung des Technik-Teams. Mit Spannung erwartet die Modenschau. Nicht Models sondern Bergwachtler hatten aus dem Fundus Einsatzkleidung der Bergretter aus den gut einhundert Jahren ausgekramt und so die Entwicklung von zweckmäßigen Berghosen und Anoraks dargestellt. Vielumjubelt die einzigartige Show. Viel beachtet in einer Ausstellung zusammengefasst Fotobände, Zeitungsberichte, längst ausgediente Geräte wie Schienen für Arm und Fuß, Rettungsgeräte wie Skischlitten, Skiverschraubung, Akija- Gebirgstrage, Stahlseilgerät mit „Gramminger-Rettungssitz oder Funkgeräte. Zum Rahmenprogramm eine Hüpfburg, Vorführung von Drohnen oder erklimmen des Kletterturmes. Geselligkeit war dann Trumpf im Festzelt. Bei Musikunterhaltung entwickelten sich muntere Gespräche bei denen so manche Erinnerungen aus gemeinsamen Zeiten zu hören waren.

Warum in Oberaudorf schon so zeitig eine Bergrettung organisierte Strukturen bekam zeigt ein Blick in die Chronik: Die nahe Stadt Kufstein im Inntal mit der Gebirgsgruppe Wilder- und Zahmer Kaiser bietet den Bergsteigern und Bergwanderern einen Ausgangspunkt für Touren. Das Wegenetz am Berg sowie das Angebot von Berghütten als Ausgangsort für Berg- und Klettertouren war verlockend. Zudem war das Kaisergebirge als Hauptklettergebiet der Münchener Bergsteiger am schnellsten zu erreichen. Die Hochgebirgsgruppe war weiter durch den Bau der Bahnlinie München-Kufstein-Innsbruck sowie den guten Busverbindungen im Inntal schnell zu erreichen. Tüchtige Bergführer sorgten zudem für beste Betreuung der Touristen sowie der Gäste des aufstrebenden Fremdenverkehrs. Um die Gipfel des Wilden Kaiser zu besteigen muss man fast durchwegs klettern. „Mit den Händen in den Hostentaschen“ lassen sich nicht mal Gipfel mit Steiganlagen ersteigen“, so die einhellige Meinung der Alpinisten. Bei Bergunfällen übernahmen in der Regel Bergführer die Erstversorgung und den Abtransport von verunglückten Bergsteigern und Bergwanderern. Doch auch die benachbarten Inntaler Orte hatten hohe Berggipfel und viele Touren zu bieten. Kameraden von am Berg Verunglückten sowie herbeigeholten Einheimischen, Jägern oder Holzknechten wurde die Rettung überlassen.

Die breite Erkenntnis in den alpinen Vereinen und in der gesamten damaligen Bergsteigerschaft, das Problem der alpinen Unfälle sowie die Bergungen nicht nur dem Zufall oder improvisierter Hilfsbereitschaft zu überlassen, führte zum offen Verlangen nach arrangierten Rettungsaktionen und einem organisierten Bergrettungswesen. So wurde 1896 das „Alpine Rettungs-Comité Wien“ errichtet das bald Vorbildfunktion erlangte. Oberaudorf, das wohl als älteste Sommerfrische im bayerischen Inntal bezeichnet werden kann, lockte nicht nur berühmte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst als Gäste an sondern war  durch seinen Bahnhof an der Eisenbahnlinie Rosenheim-Kufstein, die 1858 in Betrieb genommen wurde, weiter erschlossen. Reisemöglichkeiten ins ferne Gebirge gab es nun auch für „Norddeutsche“. Durch Erfahrung, Ausrüstung und Missgeschick gerieten Alpinisten in Bergnot und mussten geborgen werden. Dies veranlasste im Jahre 1897 den Oberaudorfer Apotheker Carl Adam Hagen  auch dazu, in Oberaudorf eine Rettungsstelle des Deutsch-Österreichischen Alpenverein ins Leben zu rufen. Rettungsstellen mit Meldeposten wurden errichtet und geeignete Persönlichkeiten gewonnen. In der Folge wurde im Jahre 1920 die Bergwacht gegründet. Dabei standen Naturschutz und Ordnungsdienst in den Bergen an erster Stelle. Sanitäter mit alpinistischen Ambitionen fanden sich in der Folge im Gebirgs-Unfall-Dienst GUD oder in der Alpenverein-Bergwacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch in Oberaudorf eine „Bergwachtgruppe“ ins Leben gerufen. Die Bergwacht steht nicht gerne im Rampenlicht, wenn sie aber gerufen wird, so ist sie einsatzbereit. So war es, so ist es und so soll es künftig bleiben.

Text & Bilder: Alfons Lotter

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